José Carreras-DGHO-Promotionsstipendium
Bewerbungen bis 31. Dezember 2017

Die Pflegeforschung steckt in Deutschland ist im Vergleich zu angloamerikanischen Ländern noch in den Kinderschuhen, insbesondere diejenige Pflegeforschung, die sich mit den klinischen Befunden und Ergebnissen von Patienten befasst. Die deutsche Pflegeforschung hat nun begonnen, diesen Rückstand aufzuholen. Gerade in der onkologischen Pflege wurden in den letzten Jahren oder werden zurzeit größere Interventionsstudien beispielsweise zu den Themengebieten Übelkeit und Erbrechen [1], Schmerz [2] und Fatigue [3] durchgeführt. Erstmalig haben wir in Deutschland onkologische Pflegeforscher(innen) mit Anschluss an die internationale Forschung.

Aber wir haben noch viel mehr, und das ist mindestens genauso wichtig wie eine eigenständige Forschungslandschaft: Das sind die vielen onkologisch Pflegenden in der Praxis, die sich um eine Umsetzung von in Studien erfolgreich geprüften Interventionen bemühen, und Pflegende, die qualitative Studien lesen, um vor allem in der Beziehungsarbeit das bestmögliche Verständnis für die Bedürfnisse und Präferenzen der Patientinnen und Patienten zu erreichen. Ziel solcher Bemühungen ist immer die Verbesserung der pflegerischen Versorgung – und Ergebnisse aus Studien sind ein guter Baustein dafür.

Damit ist ein Anfang gemacht, aber die onkologische Pflegeforschung und Forschungsanwendung brauchen eine gute Pflege, um wachsen zu können. Mit der AG Pflegeforschung in der KOK wollen wir einen bescheidenen Beitrag dazu leisten.
Ein praxisbezogener Forschungs- und auch Umsetzungsbedarf liegt unter anderem in den folgenden Gebieten:

  1. Wir benötigen wissenschaftlich fundiertes Wissen über die Grundlagen der Beziehungsgestaltung zwischen Pflegenden und Patienten, insbesondere in Fragestellungen der Patientenpräferenzen und einer Gesundheits- und Ressourcenorientierung.
  2. Wir benötigen wissenschaftlich fundiertes Wissen, um gute fachlich begründete Entscheidungen für solche Interventionen zu treffen, die das Wohlbefinden der Patienten (zum Beispiel hinsichtlich des funktionaler Status, oder der Fähigkeit zur Selbstpflege) und die subjektiv erlebte Zufriedenheit mit den Pflegehandlungen und dem Ergebnis betreffen. Zudem benötigen wir Wissen darüber, mit welchen Interventionen unerwünschte Ereignisse bei Patienten bestmöglich vermieden oder gelindert werden können.
  3. Wir benötigen eine wissenschaftlich fundierte Diskussion der Eignung von Erfassungs- und Messinstrumenten, die in der Pflege eingesetzt werden, und die Prüfung englischsprachiger Instrumente auf ihre Eignung für die Pflege in Deutschland. Hierbei geht es um Fragen, welche Pflegeergebnisse (Outcomes) für Patienten relevant sind sowie wie, wann und bei wem diese Outcomes am besten gemessen werden sollten. Im Mittelpunkt der Überlegungen steht dabei die Pflegesensitivität der Outcomes, d.h. welche Strukturen und Prozesse von der Pflege beeinflusst werden können, um wünschenswerte Outcomes zu erzielen.

Mit diesen und noch vielen weiteren Fragestellungen kann sich die AG Pflegeforschung befassen. Das hängt nicht zuletzt von jedem einzelnen Mitglied ab. Die Zielgruppen der AG Pflegeforschung umfassen zum einen onkologisch-professionell Pflegende, die an Fragen der onkologischen Pflegeforschung interessiert sind, und die mit ihren Fragen zur Initiierung von praxisrelevanten Forschungsprojekten beitragen wollen, oder Fragen der Forschungsanwendung diskutieren wollen, beispielsweise evidenzbasierte Leitlinien, Expertenstandards und PEPs (Putting Evidence into Practice) implementieren oder die Methoden der evidenzbasierten Praxis (EBN) anwenden wollen.

Die zweite Zielgruppe sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in der onkologischen Pflegeforschung tätig sind oder sein wollen, Forschungsprojekte vorantreiben, Forschungsmethoden diskutieren, systematische Übersichtsarbeiten erstellen oder empirisch begründete Theorien diskutieren und verbreiten wollen.

  • Weitere mögliche Themen und Ziele der AG Pflegeforschung können sein:
  • Initiierung und Unterstützung von Praxisprojekten
  • Aufarbeitung onkologischer Pflegethemen
  • Workshops zum wissenschaftlichen Schreiben und Veröffentlichen
  • Seminare zur Gestaltung und Präsentation von Vorträgen
  • Evidence-based Nursing-Workshops
  • Fortbildungen zu wissenschaftlichen Arbeitsformen
  • Unterstützung, Kontaktvermittlung und Beratung bei der Erstellung von Empfehlungen / Leitlinien.

Wenn Sie Interesse an einer Mitarbeit in der AG Pflegeforschung der KOK haben wenden Sie sich bitte an Dr. Patrick Jahn (Kontakt-Informationen unter dem Tab „Ansprechpartner“ auf dieser Seite)

[1] Jahn P, Renz P, Stukenkemper J, Book K, Kuss O, Jordan K, Horn I, Thoke-Colberg A, Schmoll HJ, Landenberger M (2009). Reduction of chemotherapy-induced anorexia, nausea, and emesis through a structured nursing intervention: a cluster-randomized multicenter trial. Support Care Cancer 17(12):1543-52.

[2] Jahn P, Kitzmantel M, Renz P, Kukk E, Kuss O, Thoke-Colberg A, Horn I, Landenberger M (2010). Improvement of pain related self management for oncologic patients through a trans institutional modular nursing intervention: protocol of a cluster randomized multicenter trial. Trials 22(11):29. doi: 10.1186/1745-6215-11-29.

[3] Reif K, de Vries U, Petermann F, Görres S (2012). A patient education program is effective in reducing cancer-related fatigue: A multi-centre randomised two-group waiting-list controlled intervention trial. Eur J Oncol Nurs. 2012 Aug 13. [Epub ahead of print].

Ansprechpartner der AG Pflegeforschung

Dr. Patrick Jahn

Halle

Leiter der Stabsstelle Pflegeforschung

Ernst-Grube-Straße 30
06120 Halle (Saale)
+49 (0)345 – 557 2220
Universitätsklinikum Halle (Saale)

Matthias Hellberg-Naegele

Freiburg

Klinik für Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation
Hugstetter Str. 54
79106 Freiburg
+49 (0) 761 270-34190
UNIVERSITÄTSKLINIKUM FREIBURG