AG Pflegeforschung

Erste Forschungsagenda für die onkologische Pflege in Deutschland (GRAN-ONCO)

Mit der Entwicklung der ersten nationalen Forschungsagenda für die onkologische Pflege in Deutschland (GRAN-ONCO) hat die Konferenz Onkologischer Kranken- und Kinderkrankenpflege (KOK) einen wichtigen Meilenstein gesetzt. Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. hat dieses Vorhaben gefördert – ein deutliches Zeichen für die zunehmende Professionalisierung und Wertschätzung der onkologischen Pflege.

Die Projektleitung lag bei Prof. Dr. Patrick Jahn, unterstützt von Max Zilezinski und Madeleine Ritter-Herschbachals Projektmitarbeitende.

Hintergrund und Bedeutung

Im internationalen Vergleich – insbesondere mit angloamerikanischen Ländern – befindet sich die Pflegeforschung in Deutschland noch im Aufbau. Dies gilt vor allem für klinisch orientierte Pflegeforschung, die sich mit patientenbezogenen Ergebnissen und Versorgungsqualität befasst.

In den letzten Jahren konnten jedoch auch in Deutschland wichtige Fortschritte erzielt werden:
Insbesondere in der onkologischen Pflege wurden größere Interventionsstudien zu Themen wie Übelkeit und Erbrechen, Schmerz und Fatigue durchgeführt. Erstmals ist damit eine onkologische Pflegeforschung entstanden, die anschlussfähig an internationale Forschung ist.

Forschung und Praxis zusammen denken

Neben dem Aufbau einer eigenständigen Forschungslandschaft ist ein weiterer Aspekt mindestens ebenso bedeutsam:
Die Vielzahl onkologisch Pflegender in der Praxis, die evidenzbasierte Interventionen anwenden, qualitative Studien nutzen und ihre pflegerische Beziehungsarbeit konsequent an den Bedürfnissen und Präferenzen der Patient:innen ausrichten.

Ziel all dieser Bemühungen ist stets die Verbesserung der pflegerischen Versorgung. Wissenschaftliche Erkenntnisse bilden hierfür eine zentrale Grundlage – insbesondere dann, wenn sie praxisnah aufbereitet und konsequent umgesetzt werden.

Mit der AG Pflegeforschung möchte die KOK einen Beitrag leisten, diese Entwicklung nachhaltig zu unterstützen und weiter auszubauen.

Zentrale Forschungs- und Entwicklungsbedarfe

Ein praxisbezogener Forschungs- und Umsetzungsbedarf besteht insbesondere in folgenden Bereichen:

Wissenschaftlich fundiertes Wissen zur pflegerischen Beziehungsgestaltung, zu Patientenpräferenzen sowie zu gesundheits- und ressourcenorientierten Ansätzen.

Erkenntnisse, die fundierte Entscheidungen über Interventionen ermöglichen, welche

  • das Wohlbefinden der Patient:innen,
  • den funktionalen Status,
  • die Selbstpflegefähigkeit sowie die subjektive Zufriedenheit mit Pflegehandlungen und -ergebnissen verbessern.
  • Ebenso relevant ist Wissen darüber, wie unerwünschte Ereignisse vermieden oder gelindert werden können.

Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Erfassungs- und Messinstrumenten in der Pflege, inklusive

  • Prüfung internationaler (insbesondere englischsprachiger) Instrumente auf ihre Eignung für Deutschland,
  • Klärung, welche Pflegeergebnisse für Patient:innen relevant sind,
  • wann, wie und bei welchen Zielgruppen diese Outcomes sinnvoll erhoben werden sollten. Im Fokus steht dabei die Pflegesensitivität von Outcomes – also jene Strukturen und Prozesse, die durch Pflege gezielt beeinflusst werden können.

Zielgruppen der AG Pflegeforschung

Die AG Pflegeforschung richtet sich an zwei zentrale Zielgruppen:

Onkologisch tätige Pflegefachpersonen

Pflegende, die

  • praxisrelevante Forschungsfragen einbringen möchten,
  • an der Initiierung von Forschungsprojekten interessiert sind oder
  • sich mit der Anwendung von Forschungsergebnissen beschäftigen, z. B. durch:
    • evidenzbasierte Leitlinien,
    • Expertenstandards,
    • PEP-Konzepte (Putting Evidence into Practice)
    • oder Methoden der evidenzbasierten Pflege (EBN).

Pflegewissenschaftler:innen und Forschende

Wissenschaftler:innen, die

  • in der onkologischen Pflegeforschung tätig sind oder sein möchten,
  • Forschungsprojekte entwickeln und durchführen,
  • Forschungsmethoden diskutieren,
  • systematische Übersichtsarbeiten erstellen oder
  • empirisch begründete Theorien weiterentwickeln und verbreiten.

Weitere Themen und Angebote

Mögliche Aktivitäten und Ziele der Arbeitsgruppe sind unter anderem:

  • Initiierung und Begleitung von Praxis- und Forschungsprojekten
  • Wissenschaftliche Aufarbeitung onkologischer Pflegethemen
  • Workshops zum wissenschaftlichen Schreiben und Publizieren
  • Seminare zur Gestaltung und Präsentation von Vorträgen
  • Evidence-based Nursing-Workshops
  • Fortbildungen zu wissenschaftlichen Arbeitsmethoden
  • Unterstützung, Beratung und Vernetzung bei der Erstellung von Empfehlungen und Leitlinien

Ansprechpartner

Prof. Dr. Patrick Jahn
Prof. Dr. Patrick Jahn

Leiter der AG Pflegeforschung

Universitätsmedizin Halle (Saale)
Department für Innere Medizin
Ernst-Grube-Straße 40 06120 Halle (Saale)