Interview mit Kerstin Paradies

Kerstin Paradies aus Hamburg wurde im Rahmen der Pflegetagung beim 29. Deutschen Krebskongress 2010 zur neuen Sprecherin der KOK gewählt. Im Oktober 2009 wurde sie bereits zum Vorstand gewählt, nachdem Rolf Bäumer seinen Vorsitz aufgab und in die Position des Geschäftsführers der KOK wechselte. 


Kerstin Paradies
Ein Interview mit der Vorstandssprecherin lesen Sie unten. 

Ein weiteres Video-Interview zur Situation 
der Onkologie und zur Rolle der KOK 
finden Sie auf der Seite der DKG 



Frau Paradies, warum sind Sie Sprecherin der KOK geworden? 

Ich möchte den Berufsstand der onkologisch Pflegenden in der Öffentlichkeit vertreten. Dabei geht es mir vor allem darum, die Qualität und Kompetenzsteigerung in der Pflege durch geeignete Fort -und Weiterbildungsmaßnahmen zu gewährleisten. Ebenso ist es mir wichtig, das Berufsbild der MFA in den onkologischen Schwerpunktpraxen zu stärken. Mir ist es ein besonderes Anliegen, die Pflege als gleichberechtigter Partner mit Patienten und Ärzten im multiprofessionellen Team in ganz Deutschland zu etablieren.


Welche Ziele verfolgen Sie in der Amtszeit 2010-2012? 

Ich habe mir eine ganze Menge Ziele vorgenommen. Unter anderem die Intensivierung der Aus,- Fort,- und Weiterbildung von Pflegepersonal, die Auswertung und Implementierung von Forschungsergebnissen in der Klinik und Praxis, die intensive Förderung der Pflegeforschung.
Ebenso den intensiven internationaler Austausch mit anderen Fachgesellschaften z.B. EONS, AHOP, Onkologiepflege Schweiz.
Außerdem will ich die Herausgabe einer Fachpflegezeitschrift für onkologisch Pflegende gemeinsam mit meinem Stellvertreter Christian Wylegalla und dem neu gewählten Beirat der KOK etablieren. Hierzu sind wir gerade intensiv in der Planungs- und Umsetzungsphase.


Wie sehen Sie die Pflege in den kommenden Jahren bzw. was sind die Themen der Zukunft im Rahmen der Pflege?

Wir haben heute schon in der Bundesrepublik in wichtigen Teilen einen Mangel an Pflegefachkräften, wir wissen, dass in den nächsten Jahren der Bedarf massiv steigen wird. So haben wir heute rund 2 Millionen Menschen in Deutschland, die der Pflege bedürfen, das wird sich nach den Prognosen in den nächsten Jahren verdoppeln. Ich glaube, das Wichtigste ist, dass wir uns bewusst werden, das ein großer Bedarf im Bereich der Pflege besteht. Das gilt natürlich auch für die onkologische Pflege. Selbstverständlich bedeutet dies aber auch, dass gute Pflege auch entsprechend entlohnt werden muss.

Zudem ist es dringend geboten, die gesellschaftliche Anerkennung der Pflege, allen voran durch verbesserte Ausbildungsbedingungen, zu stärken, um mehr Menschen für eine qualifizierte Pflege zu gewinnen. Es sollte uns gelingen, junge Menschen für diesen Beruf zu motivieren. Dabei muss es unser Ziel sein, neue Strategien in den Bildungsplänen zu entwickeln. So ist unter anderem dem Bereich der Prävention eine weit größere Bedeutung einzuräumen. Es gilt, durch Aktivierung körperliche, seelisch-geistige und soziale Kräfte zu erhalten. Dies gilt auch für die professionelle onkologische Pflege. Wir sollten weiterhin aktiv an einer Verbesserung der onkologischen Versorgung krebskranker Menschen mitwirken und als KOK die entsprechenden Standards aktiv mitgestalten.





Kerstin Paradies ist examinierte Krankenschwester und ebenso Betriebswirtin im Management im Gesundheitswesen. Sie arbeitet seit 2007 als onkologische Fachpflegekraft in der gynäkologischen Praxis Prof. Dr. Schmidt-Rhode In Hamburg. Bereits seit 2006 ist sie Mitglied in der KOK und Beiratsmitglied, seit 2008 Mitglied im Vorstand der KOK. Im Oktober 2009 übernahm sie die Funktion der Sprecherin des Vorstands der KOK. Seit 2010 ist sie auch Mitglied im Vorstand der Deutschen Krebsgesellschaft e.V und arbeitet in verschiedenen Kommissionen der DKG mit.


Das Interview mit Frau Paradies
führte Mirko Laux, Frankfurt am Main.




 
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